Auberon Herbert

Ü̈ber Freiwilligkeit

(1885)

 


Anmerkung

Dieser Auszug enstammt der Sammlung, die unter dem Titel „The Right and Wrong of Compulsion by the State“ veröffentlicht wurde. In diesem Text stellt Auberon Herbert die wichtigsten Grundsätze der Philoso- phie und gelebten Praxis der sogenannten Freiwilligkeit vor. Der Kern der Freiwilligkeit ist, dass „... jeder Mensch nichts weniger verlangt, seinen eigenen Weg zu gehen und diese volle Freiheit im Gegenzug seinem Nachbarn ebenfalls zugesteht.....“ Nur wenn der freiwillige Staat den zwangsweisen Staat ersetzt, können „ Menschen einander Freunde sein oder für das Gemeinwohl arbeiten, denn unter dem zwangsweisen Staat sind alle diese Dienste behaftet mit dem Druck jener, die zwingen und der Unterwerfung jener, die sich fügen“.

Quelle: Auberon Herbert, The Right and Wrong of Compulsion by the State, 1885.

 


 

Das Ziel des Freiwilligen

Was ist die Arbeit eines Freiwilligen? Es ist:

- die Gier nach Macht zu zerstören.

- bei sich selber oder bei anderen den Wunsch zu zerstören, anderen Meinungen oder Interessen gleich welcher Art aufzuzwingen.

- zufrieden sein, sein eigener Herr zu sein und nicht Herr über andere.

- den Glauben an die Waffe der Argumente, Diskussionen und Vorbilder zu stärken.

- Böses geduldig zu ertragen, anstatt bei jedem Ereignis das Prinzip der Selbstbestimmung und Autonomie zu hinterfragen.

- überzeugt zu sein, dass es kein Übel gibt, welches nicht durch Mut und Entschlossenheit überwunden werden könnte.

- es keine moralische Schwäche gibt, die nicht ausgemerzt werden könnte, ausser einer Schwäche, die des moralischen Versagens und der Aufgabe der Selbstbestimmung und Autonomie.

Die Selbstbestimmung aufgeben heisst, korrupt und untertänig im Geiste zu werden und Korrupte und Untertänige können keine grossen Werke vollbringen. Man kann aus verrottetem Holz nichts Rechtes schnitzen, man kann niemanden zu Grösse führen, der seine eigene Menschlichkeit aufgegeben habt.

Lassen wir den Freiwilligen die Botschaft der Selbstbestimmung überall verbreiten.

Er soll versuchen den Sozialisten davon zu überzeugen, dass er kein Recht hat, Sicherheit und materielle Vorteile zum Preis der Aufgabe der persönlichen Freiheit anzubieten, dass es sinnlos ist, eine Knecht- schaft zu zerbrechen, nur um sie durch eine andere zu ersetzen; lassen wir ihn den Kapitalisten überzeugen, dass aller Reichtum basierend auf Vorteilen oder Privilegien des Staates oder auf Handelsschranken, Reichtum ist, der mit Gewalt anderen wegge- nommen worden ist und auf einem unehrlichen und ungerechten lassen wir ihn den Kapitalisten überzeugen, dass aller Reichtum basierend auf Vorteilen oder Privilegien des Staates oder auf Handelsschranken, Reichtum ist, der mit Gewalt anderen wegge- nommen worden ist und auf einem unehrlichen und ungerechten Fundament steht. Lassen wir ihn versuchen alle Menschen, ob arm oder reich, ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, Menschen dieses oder eines anderen Landes, zu überzeugen, dass die Planung von gegenseitiger Gewalt eine unfruchtbare und leidvolle Verschwen- dung des Lebens ist - dass ein Sieg über widerwillige Körper und Geister eine Niederlage und kein Sieg ist.

Die wahren Werte des Fortschritts, denen wir gegenüber jeder Versu- chung verpflichtet sind, sind diese: Frieden, freundschaftliche Zusammenarbeit, freies Experimentieren, fortwährende Verschie- denheit, eine fast unbegrenzte Toleranz gegenüber den Tätigkeiten anderer, freier Handel in jeder Hinsicht, ausgeprägte Bewegungsfrei- heit, in Sicherheit seine eigenen Lebenserfahrungen zu machen, die Aufhebung aller erzwungenen Lasten und Pflichten, Verzicht durch verpflichtende Belastungen die Möglichkeiten zukünftiger Genera- tionen zu belasten, Verzicht durch massive politische Beeinflussung die Menschen gegeneinander aufzuhetzen, denn der Ansporn zum Krieg wird solange bestehen wie jemand den Besitz der Macht für sich selbst anstrebt und befürchtet, die Macht in der Hand seines Nächsten zu sehen; schliesslich in der absoluten Sicherheit seiner Person und seines Eigentums, sodass die Person die Voraussetzungen für lohnenswerte Anstrengungen als gegeben und dauerhaft betrachtet.

Fassen wir den Begriff Freiwilligkeit in wenigen Worten zusammen: - Freiwilligkeit ist die Versöhnung von Verschiedenheit.

- Ist ein System von Freiheit, Frieden und Freundschaft.

- Im System der Freiwilligkeit benutzt der Staat Gewalt nur um Gewalt abzuwehren - um das Individuum und seinen Besitz gegen Gewalt und Betrug zu schützen, im System der Freiwilligkeit vertei- digt der Staat die Freiheitsrechte anstatt sie zu bekämpfen.

- Freiwilligkeit ist keiner Sekte oder Partei verpflichtet.

- Freiwilligkeit verfolgt oder belästigt niemand und mit Ausnahme der Verteidigung des Selbstbestimmungsrechts, schränkt sie weder ein noch bevormundet sie.

- Freiwilligkeit weigert sich, Meinungen und Interessen einer Gruppe von Menschen anderen Menschen aufzuzwingen.

- Weigert sich für jedwelchen moralischen Standpunkt mit der unmoralischen Waffe der Gewalt zu kämpfen.

- Erzwingt keine Leistungen, beschlagnahmt kein Eigentum, erhebt keine Zwangsabgaben.

- Lehnt jegliche Institution ab, in welchem Land auch immer, welche die Macht des Staates über die Rechte des Individuums stellt.

- Widersetzt sich allen Privilegien, Monopolen und Einschränkungen und setzt sich dafür ein, dass die Menschen frei sind, ihr eigenes Leben in einer freien Welt zu gestalten.

- Protestiert gegen jede Form von Erlösung, die mit Gewalt durchge- setzt wird.

Der Freiwillige ist überzeugt, dass jedes Jahr enorme Summen für den Aufbau der Staatsinstitutionen und für das Regieren durch Macht verschleudert werden.

Er glaubt, dass, wenn man den menschlichen Fähigkeiten universelle Freiheit gewährt, wenn man die Menschen von der Last der Steuern und staatlicher Einmischung befreit, wenn sie dereinst beschliessen den Streit, wer über wen Macht ausübt, beizulegen, eine neue Welt von Frieden, Freundschaft und Wohlstand die heutige, die gezeichnet ist von Hass, Eifersucht, Zwietracht und unnötigem Leid ersetzen wird.

 

Die Prinzipien des Freiwilligenstaats

1. Das Selbstbestimmungsrecht jedes Einzelnen in allen Punkten und unter allen Umständen anzuerkennen, sowie das Recht, seine Fähig- keiten auszuleben und seinen eigenen Besitz zu nutzen ( mit der Einschränkung des Nichtgebrauchs von Gewalt oder Betrug gegen- über anderen), so wie er es will.

2. Anzuerkennen, dass der Staat weder Leistungen erzwingen noch Zahlungen mit Gewalt verlangen kann, sondern vollumfänglich von freiwilligen Leistungen und freiwilligen Zahlungen abhängt.

A. Dass der Staat frei sein soll, viele nützliche Projekte in Bezug auf Bildung, Gesundheitswesen, Sozialhilfe, Versicherungen, Postwesen, Handel, Inspektion von Gebäuden und Maschinen und anderem auszuführen, aber dies in Konkurrenz mit allen freiwilligen Organisa- tionen ohne Gewaltanwendung tun muss, abhängig von freiwilligen Zahlungen und im Einklang mit den Betroffenen wie ein Freund oder Berater.

B. Dass der Staat nur Gewalt anwenden darf, um Mörder, Diebe und gewalttätige Personen sowie gewisse grobe Formen von Betrug in Schach zu halten, um so das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen zu garantieren, indem man seine Person und seinen Besitz schützt.

C. Dass der Staat keinen Besitz gleich welcher Art, einem Bürger mit Gewalt wegnehmen kann, noch sich in irgendeinen Aspekt seines Lebens einmischt, noch mit Gewalt in die Ausübung seiner Fähig- keiten interveniert (im Rahmen nicht aggressiver Grenzen) noch Gewalt für irgendeinen moralischen Zweck anwendet.

3. Sich aller Schulden zu entledigen, sei es gesamtstaatlich oder lokal, durch Verkauf öffentlicher Gebäude oder Aufnehmen von Hypo- theken und durch das Organisieren eines Systems von freiwilligen Abgaben, indem man gewisse Tage als Ferientage deklariert, um frei- willige Kontributionen einzusammeln, lokal und gesamtstaatlich.

4. Die freiwillige Verteidigung des Landes auszuweiten und sie auf eine sehr viel breitere und permanente Basis als bisher zu stellen, sich in Krieg und in Frieden nur auf freiwillige Mitwirkung zu verlassen und auf den fatalen Fehler zu verzichten, diejenigen zu den Waffen zu zwingen, die gegen den Krieg sind und nicht bereit sind, ihn zu unterstützen.

5. Nicht grundlos Verpflichtungen aufzugeben gegenüber denen, die mit uns in anderen Ländern verbunden sind, oder von uns abhängen, sich einzusetzen für eine friedliche und freundschaftliche Lösung aller ungelösten Fragen, Verantwortlichkeiten einzuschränken, auf eine aggressive und besitzergreifende Politik zu verzichten und zu versuchen internationale, freundschaftliche Vereinbarungen für alle offenen Fragen zu finden.

6. Auf diese Weise alle Lasten, alle Einschränkungen und Einmi- schungen in persönliche Aktivitäten zu beseitigen, die Bürokratie zu reduzieren, die schädlichen Einmischungen von Politikern in Bezug auf persönliches Eigentum, ihr permanentes Bestechen der Menschen nur zu oft zu ihrem eigenen Nutzen auszuschalten, indem man die rücksichtslose Rivalität der politischen Parteien um Posten und Macht zerstört, durch Förderung von freiem Austausch jeglicher Art. Dies nicht nur um die freie Entwicklung der fast unbegrenzten Kapazitäten und intellektuellen Mittel, die eine intelligente Nation besitzt, zu ermöglichen, sondern auch den natürlichen, freundschaft- lichen Wunsch aller Klassen für gemeinsame Ziele zu arbeiten. Mit diesem Vorgehen kann man der Welt ein Beispiel von Wohlstand und Glück geben, das von allen Völkern erreicht werden kann, bei denen das natürliche Recht jeder Person sich um seine eigenen Angelegen- heiten zu kümmern und mit seinem Eigentum nach seinen eigenen Vorstellungen zu verfahren und nicht nach dem Diktat anderer respektiert wird. Alle Unternehmungen und Dienste sind auf gegen- seitiger Überzeugung aufgebaut und nicht auf Gewalt.

 


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