Notiz
Henri Léon Follin (1866-1949) individualistischer Denker, der das Konzept des Weltbürgertums entwickelte.
Der Humanist Follin war seiner Zeit weit voraus und ist deshalb auch nur innerhalb eines kleinen Kreises von Personen bekannt und geschätzt. Der hier präsentierte Text enthält eine Reihe von Betrachtungen, die in seinem Werk aufgeführt sind. In diesen Betrachtungen nimmt er Bezug auf die Idee eines Weltbürgertums, die eine starke Ähnlichkeit mit der Idee der Panarchie hat. Beide Konzeptionen favorisieren die freie Wahl des Einzelnen in Bezug auf die soziale Organisation der sie angehören wollen und zwar über die territoriale Souveränität hinaus, die ihnen von den Nationalstaaten aufgezwungen werden.
Quelle: Pierre Lefer et H-François Follin, Paroles d’un voyant, Paris, 1934.
FREIE UND FREIWILLIGE GEMEINSCHAFTEN
Die Evolution der Welt muss auf der Basis von Entwicklung und Verbesserung der individuellen Wirklichkeiten, mit denen man frei oder vertraglich verbunden ist, erfolgen und nicht auf der Basis von Führern oder ihrer Geburt, Herkunft und Milieu oder ihrer Aktivitäten die Individuen oder ganze Gruppen isolieren.
Es darf keine Macht des Volkes geben, die sich gegen andere richtet. Diese Form von Politik bringt immer wieder Konflikte hervor.
Die einzigen nützlichen Mächte sind wirtschaftlicher, moralischer, intellektueller und ästhetischer Art. Sie haben nichts zu tun mit den Unterteilungen ethnischer, politischer und geografischer Art. Die Macht muss das Vorrecht von Individuen und freien Gruppen sein, die sich überall auf der Welt vereinigen, um sie dann für sich selber und im Interesse aller auszuüben.
Jede Gemeinschaft besteht in der Realität nur aus den Individuen, die sie in einem bestimmten Moment formen. Ihr Charakter ist nichts anderes als die Summe der Charaktere hervorgegangen aus der Vergangenheit und Gegenwart jedes Individuums, das wiederum nur für sich allein in der Lage ist, diesen Charakter zukünftig weiterzugeben. Die individuellen kosmopolitischen Rechte, die jedem Menschen weltweit garantiert werden müssen, egal zu welchem nationalen, regionalen oder lokalen Gemeinwesen er gehört, kann man im wesentlichen auf sechs beschränken:
1. Das Recht der Nichtteilnahme, in welcher Form auch immer, an Wettstreiten oder Konflikten zwischen politischen Staaten oder deren Konsequenzen.
2. Das Recht der Wahl des Staates oder der administrativen und juristischen Staaten, deren Gesetze er sich in seinen eigenen Angelegenheiten unterstellen will, sowie das Recht, sich in irgendeinem Staat niederzulassen oder sich frei zu bewegen unter der Voraussetzung dessen Gesetze zu respektieren.
3. Das Recht, sein Eigentum und seine Dienstleistungen frei mit allen Bewohnern anderer Staaten handeln zu dürfen.
4. Das Recht, diesen Handel und vertragliche Verpflichtungen nach einem universellen oder auch für sich gültigen Wertmesser bewerten zu können, ohne Intervention eines monetären Monopols.
5. Das Recht, seine Gedanken in jeder Hinsicht frei äussern zu dürfen mit Ausnahme von Aufruf zur Gewalt an den bestehenden Institutionen.
6. Das Recht, seine Kinder vor Lehren, Erziehung und Einflüssen zu schützen, die den vorherigen fünf Rechten zuwiderlaufen.
Die Doktrin des Weltbürgertums will nicht, dass Menschen von Geburt an einer einzigen Autorität unterworfen sind, die sich in allen Belangen ihrer Existenz bemerkbar macht.
Sie will ausgenommen Handlungen, die anderen einen direkten und offenkundigen Schaden zufügen, dass der Mensch sich befreit von den üblichen Gesetzen, auf die er keinen Einfluss hat, dass er sich nur dem Teil der öffentlichen Meinung unterwirft, die ihm zusagt oder den Gemeinschaften in die er freiwillig eingetreten ist mittels eines genau definierten Vertrages und für eine freiwillig begrenzte Zeit. Das Prinzip des Weltbürgertums, von dem die Menschen, wenn ihnen einmal die Augen aufgegangen sind, verlangen werden, dass es die Welt regiert, ist dieses:
Weder der Ort der Geburt oder der Wohnsitz noch die Herkunft darf das Leben oder gewisse grundlegende Freiheiten des Individuums vom Willen oder von Entscheidungen der politischen Regierungen abhängig machen, egal ob es die Regierenden der Nation sind, deren Bürger sie sind oder wo sie wohnen, oder die Regierenden irgendeiner anderen Nation.
Friede wird erst dann wirklich herrschen, wenn, wie es das Weltbürgertum vorsieht, die Vorstellung eines Minimums von universellen, individuellen Rechten entsteht und zwar nicht nur im Bewusstsein, sondern auch im menschlichen Interesse gegenüber politischen und nationalen Institutionen. Wenn sich diese Vorstellung ausbreitet, wird sie allen Widerstand hinweg schwemmen.
ZIVILISATION
Die Menschheit war nie zivilisiert. Zivilisation ist nicht zu verwechseln mit gewissen industriellen, wissenschaftlichen, intellektuellen oder sogar moralischen Entwicklungen der Menschheit. Zwar gab es viele Versuche zur Zivilisation, aber alle wurden durch Militarisierung und Politisierung erstickt. Im 20. Jahrhundert erleben wir vielleicht die entschiedenste und unheilvollste Erscheinung dieses Phänomens.Zivilisation kann nur ein Produkt aller freiheitlichen, individuellen Initiativen dieser Erde sein sowie des universellen Austausches aller Dienstleistungen, denn das ist die Konsequenz und der Ausdruck der Freiheit.
Eine Zivilisation, in der die besten Vertreter der Intelligenz, der besten Talente, der besten Tugenden zulassen, dass die Aufgabe zu unterscheiden und festzustellen, wem ein Verdienstorden gebührt, den Politikern und Bürokraten des Staates übertragen wird, hat noch ziemlich viel zu lernen.
WETTBEWERB
Verwechseln wir nicht die wirtschaftliche Formel des Kampfs für ein besseres Leben mit der politischen Formel des Existenzkampfes. Nur ein zum Teil gelebtes und unvollständiges Leben assimiliert die relative Auswahl der verschiedenen Erfolgsstufen für ein besseres Leben mit der absoluten Wahl für den Kampf des Daseins.
WIRTSCHAFTLICHE KONKURRENZ
Der grosse Irrtum der Sozialisten, der alle modernen Konzepte der Wirtschaft vergiftet hat, ist der Glaube, dass eine freie und anständige Konkurrenz die Schwachen unter ihrem Regime erdrückt.
Konkurrenz bringt mehr Starke hervor, aber da die Starken sich nicht emporarbeiten können ohne Mitwirkung der Schwachen, die ungleich viel zahlreicher sind, sind sie gezwungen, die Schwachen an den Vorteilen, die sie selbst aus der Konkurrenz ziehen, teilhaben zu lassen.
DEMOKRATIE
Demokratie? Als Mittel zur Abwehr gegen Schmarotzertum und Tyrannei, ja. Aber unter der Bedingung sie nicht durch Schmarotzertum und Tyrannei der Schwachen zu ersetzen.
AUSTAUSCH
Für die Völker, die ihre charakteristischen Eigenheiten behalten wollen und sich gegen die Infiltration ausländischer Personen absichern wollen, gibt es kein besseres Mittel, als alle Türen für den freien Warenaustausch weit zu öffnen.
Es ist eine natürliche Tendenz, dass man den Dienst, den er erweist, höher einschätzt als was man bekommt. Trotzdem ist jeder Austausch vorteilhaft. Die Diskussion über die Regeln des Austauschs, von der man manchmal den Eindruck hat, sie sei ein Kampf, ist nur ein notwendiger Auftakt. Sie ist nicht ein Akt der Feindschaft, sondern die Vorbereitung eines Aktes der Einigung und Solidarität.
Nur Bastiat hat die Natur der Wirtschaft auf verständliche Art erklärt, indem er sie wie folgt definiert: die Lehre des Austauschs, nur er hat auf erstaunliche Art die Natur dieses Wertes erkannt, indem er sie folgendermassen definierte: das Verhältnis zwischen zwei Diensten.
Erst im Licht dieser Definitionen versteht man, wie man durch die Vervielfältigung des Austauschs und durch den Ersatz der Währungen durch einen gemeinsamen universellen Nenner, mit dem eine stabile, ausgeglichene Bewertung der Dienste gewährleistet werden kann, der Wohlstand unendlich ausgeweitet werden kann.
Die Abschaffung der Zollschranken ist keine Frage der Organisation, sondern eine Frage individuellen Rechts.
Die sogenannten liberalen Ökonomen hatten vollkommen recht anzunehmen, dass der freie Handel genügen würde, um die Welt zu befrieden. Das ist ihre Ausrede, nicht gegen den Nationalismus gekämpft zu haben und die aufkeimende Doktrin des Weltbürgertums in ihre Lehren aufgegriffen haben. Das gilt zumindest für einigen von ihnen.
Die Freiheit des Handels genügt faktisch, sowie die Freiheit der Gedanken und des Ausdrucks genügt, was das Intellektuelle und die Moral betrifft. Aber man erhält sie nur, wie man mehr oder weniger die Letzteren erhalten hat, indem man sie nicht als einen abstrakten Wert beansprucht, sondern als ein konkretes Recht für jeden von uns.
WIRTSCHAFT
Die Wirtschaft, das heisst die permanente Anpassung der Produktion an den Konsum und umgekehrt ist keine Angelegenheit des Staates, sondern eines freien und aufrichtigen Handels.
Es gibt keine „ liberale Ökonomie“. Es gibt eine Ökonomie, die eine Frucht der Freiheit ist und eine Anti-Ökonomie, Frucht des Zwangs.
Die Weltwirtschaft ist seit 1914 in vollem Zerfall. Sie wird ihre normale, den natürlichen Gesetzen der Evolution und dem empirischen Fortschritt der Menschheit entsprechende Form erst durch die Bestätigung, die Anerkennung und Schutz gewisser individueller und zugleich universeller Rechte wiederfinden. Diese müssen gegenüber allen Institutionen politischer, rechtlicher, nationaler oder internationaler Art Vorrang haben, indem sie sich ihnen widersetzen oder in Zukunft widersetzen können.
Nichts kann in einer Gesellschaft zufriedenstellend funktionieren, wenn man wirtschaftliche und philanthropische Belange durch einander bringt. Das beste Mittel, um alle Interessen zufriedenzustellen, die der Arbeiter sowie die der anderen besteht darin, aufzuhören, sich auf den anonymen und parasitären Staat zu verlassen und stattdessen seine eigenen Interessen allein oder mit anderen Interessierten zu verteidigen.
HARMONIE
Die menschliche Eintracht ist, wie alle Formen der Eintracht, keine Frage der Vereinheitlichung, sondern der Koexistenz in der Verschiedenheit und Differenzierung.
INDIVIDUALISMUS
Definition: Individualismus ist die Annahme vom Individuum als einzige soziale Möglichkeit.
Kein Individuum kann sich völlig von seiner Art isolieren. Es stellt nur einen Augenblick des Zusammenlebens an dem es teilnimmt dar, sowie es nur ein Augenblick der Zellen darstellt, aus denen es besteht. Aber es ist angesichts unseres Verstandes und unseres Willens der wesentliche Ausdruck, zugleich bestimmt und bestimmend.
Die Trilogie der individualistischen Prinzipien, Substanz der sozialen Wahrheit:
- Freiheit: Von niemand anderem gezwungen zu werden.
- Verantwortung: Sich den Konsequenzen seiner Handlungen stellen.
- Aufrichtigkeit: Mit ihr soweit wie möglich in seinen Gedanken, seinen Worten und Handlungen übereinstimmen.
Man wirft den politischen Programmen der Individualisten vor, nicht positiv zu sein, in der Hauptsache Unterdrückung zu verlangen. Wie könnte es auch anders sein. Die Rolle des Staates, der als derjenige betrachtet wird, der ein freies Milieu sichert, kann nur negativ sein. Das Positive der Politik besteht darin, alles auszuschalten, was das Positive der „Nicht-Politik“ behindern könnte.
Alle herrschenden Konzepte seien sie nun traditionell oder reformerisch, tendieren dahin, das Individuum in der ethnischen, politischen oder beruflichen Gruppe zu fixieren, der er zugehört. Im Gegensatz dazu bestehen die natürliche Ordnung und der natürliche Fortschritt darin, das Individuum unabhängig von jeder Gruppe zu machen, in dem Masse, wo es nicht selbst frei die Grenzen seiner Solidarität mit ihnen festlegt oder akzeptiert.
Die grosse Unzulänglichkeit aller gemeinschaftlichen Doktrinen seien sie nun politisch, gewerkschaftlich, kooperativ, sowjetisch oder andere wird immer die Gleiche sein: das Favorisieren von Furcht und Hass der Mittelmässigkeit gegenüber jeglicher Art von individuellen Werten des Fanatismus sowie gegenüber jeglicher Art des freien Geistes, um so die notwendigen Triebfedern aller menschlichen Evolution zu zerstören.
Es ist durchaus möglich, wie ein Publizist behauptet, dass eine Gesellschaft von Individualisten die Draufgängerischen und Gerissenen zum Nachteil der Dummen und Apathischen, die unfähig sind, sich zu ihrem eigenen Schutz zu organisieren, favorisiert.
Aber eine sozialistische Gesellschaft favorisiert die Faulen und die Verschwender zum Nachteil der Arbeitenden und Vorausschauenden, die zum Wohle aller, indem sie ihr eigenes Wohl verfolgen. In diesem Sinne ist eine individualistische Gesellschaft viel sozialer als eine sozialistische Gesellschaft.
Ein englischer Denker, Auberon Herbert, predigte die „freiwillige Steuer“. Diese beiden Wörter scheinen sich zu widersprechen.
Aber kann man nicht davon ausgehen, dass in einer Gesellschaft, in der sich die Einzelnen von der Notwendigkeit der Bevormundung und des Zwangs befreit hätten, eine Art sozialer Pflicht aufkommt, sich an den gemeinsamen Lasten zu beteiligen, so wie sie sich heute verpflichtet fühlen, anständig angezogen auszugehen oder sich einer Reihe von Konventionen zu beugen, zu denen sie die Gesetze in keiner Weise zwingen?
DIE WELT
Die Nationen haben noch nicht begriffen, wie absurd es ist, wenn sie gleichzeitig ihre Grenzen ausdehnen und schliessen wollen, obwohl der freie Austausch der Weg wäre für die Annexion der Welt und gleichzeitig die gegenseitige Annexion jeder Nation.
Die Vereinigten Staaten der Welt?
Achtung! Das wäre ein eleganter Weg, das Individuum auf ein gleichgeschaltetes, uniformiertes Niveau zu drücken. Hingegen wären die Individuen der Welt vereinigt über die Staaten hinaus, das Mittel, sich gegen deren Exzesse zu verteidigen. Das wäre sowohl dringlicher, wirkungsvoller und ungefährlicher.
MILITARISMUS
Militarismus und Protektionismus gehen im Gleichschritt. Wenn einer von beiden in einem Land eine Katastrophe angerichtet hat, ist der andere nicht weit, sich einzuschleichen. Protektionismus ist Betrug am öffentlichen Vermögen sowie Militarismus Betrug am öffentlichen Leben. Wie alle Arten von Betrug fischen sie im trüben.
NATIONEN
Zu allen Zeiten haben die Menschen ihre universelles, permanentes und übergeordnetes Interesse verkannt, nämlich den Nutzen der Zusammenarbeit. Im Gegenteil, sie haben es besonderen temporären und niedrigeren Interessen geopfert in Form von bewaffneten Konflikten oder Wettstreiten für konkrete Macht. Das ist der einzige Urgrund der Nation, das war so und ist in einem gewissen Masse auch heute noch ihr einziger Daseinsgrund.
Die Grenzen neu zeichnen? Was für ein kindischer Anachronismus! Nur das ist wichtig: Zu erreichen, dass die Nationen mehr und mehr nur noch Organisationen sind, die gewisse gemeinschaftliche Interessen verwalten - und immer weniger Regierungsinstrumente, die die menschliche Persönlichkeit vereinnahmen und zum Vorteil ihrer Parasiten unterdrücken.
Es ist zumindest befremdlich, dass man glaubt, Konflikte, die ausschliesslich aus nationalen Ambitionen entstehen, durch Schiedsgerichte lösen zu können, deren Mitglieder von ihren jeweiligen Regierungen abhängen und die mehr oder weniger geneigt sind, den einen oder anderen Kläger zu unterstützen. Ist es nicht seltsam, dass der sogenannte gesunde Menschenverstand den Völkern nicht aufzeigt, dass die Gefahren einer nationalen Politik nur durch Personen verhindert werden können, die mit ihr nicht das Geringste zu tun haben und die sich jedem nationalen oder politischen Empfinden entsagen und für sich das Konzept eines Weltbürgertums in Anspruch nehmen.
Auch wenn sie nur eine winzige Minderheit wären, würden die Nationalisten immer noch einen Einfluss ausüben, der in keinem Verhältnis zu ihrer Anzahl steht, solange man nicht die Vorstellung zerstört, dass ihre Nationalität unter gewissen Umständen den Vorrang über ihre Humanität hat. Friede, Ordnung und Wohlstand werden erst dann definitiv auf der Welt herrschen, wenn eine genügende Anzahl Menschen oder Menschen, die einen genügenden Einfluss haben, jede Solidarität mit dem was die Regierungen, Parteien und Presse „ nationale Interessen“ nennen, von ablehnen.
Eine Nation hat keine Interessen. Sie ist nur Vermittler bei Interessen, die ihre Staatsangehörigen untereinander nicht mit den jenigen anderer Nationen abstimmen können. Bei Interessen, wo sie sich abstimmen können, hat sie nichts zu suchen. Und weder im einen noch im anderen Fall darf sie nicht Interessierte darin verwickeln.
Die Leute, die guten willens glauben, Pazifisten zu sein oder zumindest Kriegsgegner und die den Kult der „nationalen Interessen“ mittragen oder zumindest gelten lassen, sind wie Kranke oder Ärzte, die sich über die Symptome einer Infektion beklagen, ohne nach ihrer Ursache zu suchen.
POLITIK
Die Politik, die vorgibt, die Welt zu beherrschen, ist dabei nur ein niedrig stehendes Tätigkeitsfeld belebt von grob einfachen Gemütern. Nichts ist hierfür typischer als der demokratisch egalitäre Fetisch des Bildungswesens, das der Staat natürlich dazu benützt, um überall seinen Einfluss zu verstärken.
Die Absurdität universeller Politik besteht darin, auf Institutionen und Gesetze zu warten, die eine grössere moralische Tugend aufweisen als die Personen, die sie machen und anwenden.
Die Völker wie die Individuen leben von dem, was sie vereint und sterben an dem, was sie spaltet. Aber ihre Parasiten leben von dem, was die Völker spaltet, und sterben an dem, was sie vereint.
Daher rührt die Hartnäckigkeit der Politiker, der Diplomaten, der Schmocks sowie der Monopolisten aus Finanz und Industrie den Kult des Nationalen zu fördern, anstatt den Kult der Humanität.
GESELLSCHAFT
Die Entwicklung der Gesellschaft beruht ausschliesslich auf der Entfaltung der wirtschaftlichen Konkurrenz, nämlich „ es besser zu machen“ , zum Nachteil der politischen Konkurrenz, die darauf beruht, „am stärksten zu sein“.
Das gesamte Geheimnis von Wohlstand und sozialer Harmonie besteht darin, in jedem Individuum, egal welchen sozialen Milieus, den Wunsch zu entwickeln „ anders als die anderen zu sein“ und den Wunsch „mehr als die anderen zu sein“, aufzugeben.
Das soziale Problem ist ein Problem libertärer Institutionen für Personen, die fähig zu Initiative und Verantwortung sind und schützende Institutionen für diejenigen, die nicht ohne Vormundschaft auskommen können.
Angestellte, die mehr oder weniger gut bezahlt sind, werden umso schneller Besitz an den Produktionsmitteln und der Führung von Unternehmungen ergreifen, je mehr die Gesetze verhindern, den Forderungen ihrer politischen Vertreter nachzugeben, die nur darauf aus sind, sie unter ihre eigennützige und inkompetente Bevormundung zu stellen.
VERSCHIEDENHEIT
Der trügerischen Idee eines idealen, messianischen und universell einsetzbaren Regimes stellen einige die vage Idee gegenüber, dass „ das beste Regime dasjenige ist, welches in einer gegebenen Epoche und in einem gegebenen Umfeld am besten der Beschaffenheit der jeweiligen Gesellschaft entspricht“.
Die Wahrheit ist, dass das einzige Regime, das allen Epochen und allen Gesellschaftsschichten angemessen ist, das einzige, das sich den notwendigen Bedingungen, welche die Entwicklung der Gesellschaft mit sich bringt, anpassen kann, dasjenige ist, welches sich keinen Experimenten verschliesst ohne sie aufzuzwingen oder zu unterbinden.
Wenn sich unsere Gesellschaft besonders verkompliziert hat, dann ist es gerade diese Komplexität, welche die Erkenntnis und Anwendung von grossen Prinzipien, die so einfach wie möglich zu halten sind, erfordert. Es wäre zu hoffen, dass die Führungseigenschaften der Regierenden dieser Erkenntnis folgen.
Das Gesetz ist nur das Mittel, um die Vielfalt des Gebrauchs der Freiheit in der Einheit der Garantien für die Freiheit zu realisieren.
WAHRHEIT
Die Menschheit bekennt sich selten auf den ersten Blick zu einer neuen Wahrheit oder zur Wiedergeburt einer alten, vergessenen Wahrheit, denn die Menschen an der Macht haben sich zum grössten Teil konträre Konzepte zu eigen gemacht, sei es aufgrund ihres Temperaments, ihrer Interessen, aus Tradition oder durch Erziehung.
Diese aufzugeben, käme sie teuer zu stehen vor allen Dingen, wenn sie diese mühsam durch sich selbst erlangt haben. Aber auch sie werden sich früher oder später dieser Wahrheit beugen müssen, wenn sie im Verstand derer ankommt, die heute noch nicht soweit sind.