Paul Bonneau

Die Vorteile der Panarchie

(2014)

 



Notiz

Ein weiterer Artikel, der für Panarchie plädiert und sich dabei besonders auf Anarchisten bezieht, denn, wie der Autor sagt, "Panarchie ist eine gute Sache für alle, nicht nur für Anarchisten."

Quelle: Paul Bonneau, The advantage of Panarchy, 2014.

 


 

Der entscheidende Vorteil der Panarchie ist, dass sie aggressive Gewalt in Defensive umwandelt.

Die meisten Menschen, die das Internet benutzen, neigen dazu, sich nur mit ihresgleichen abzugeben, Liberale zum Beispiel lesen nur Seiten wie Daily Kos. Aber wenn sie die üblichen Seiten verlassen und sich mit solchen einlassen, die andere Überzeugungen vertreten, kann man immer einen Kampf von wetteifernden Argumenten erleben, die von ihren jeweiligen Befürwortern ernsthaft verteidigt werden. Das hat seinen Grund.

Überzeugung steht im Vordergrund, aber hinter jeder Äusserung steckt die unausgesprochene Drohung: Wenn ich dich nicht von der Richtigkeit meiner bevorzugten Weltanschauung überzeugen kann, werde ich dir sie aufzwingen oder andere dazu bringen, sie dir aufzuzwingen. Sie alle greifen nach dem Knüppel der politischen Macht. Hinter jedem Versuch der Überzeugung verbirgt sich oft nicht sehr gut, die Drohung von Enteignung und Unterdrückung. Unnötig zu sagen, dass jeder diese latente Drohung wahrnimmt, zumindest unterbewusst. Das ist der Grund, warum diese Diskussionen nirgendwo hinführen. Die Teilnehmer sind nicht bereit, die Argumente ihres Gegenübers   seriös in Betracht zu ziehen, wenn aggressive Gewalt in der Luft liegt. 

Das oben Gesagte gilt sogar für die Verfechter der Freiheit, da daraus noch nicht gefolgert haben, dass sie selber auch Verfechter der Panarchie sein müssen. Klar sagen sie Sachen wie: „ Freiheit ist kein Zwang, sondern die Aufhebung von Zwang“, um damit zu zeigen, dass andere sich von ihnen nicht bedroht fühlen müssen. Aber ich kann ihnen versichern, dass die Vision einer „Libertopie“, also einer Freiheitsutopie, in der jeder sich dem Prinzip der Nichtaggression unterwerfen muss, sehr wohl für andere bedrohlich sein kann. Wie anders erklärt sich sonst das Unbehagen gegenüber der Anarchie oder die Weigerung, Anarchismus zu versuchen. 

Noch einmal: Der Vorteil der Panarchie ist es, aggressive Gewalt in Defensive umzuwandeln. Das heisst, dass niemand, der auf der Basis von Panarchie argumentiert, bezichtigt werden kann, nach dem Knüppel der Macht zu greifen. Es gibt keine latente Drohung hinter den Argumenten, besonders dann nicht, wenn ein Verfechter der Panarchie aussagt (und er sollte das aussagen, wenn er Verstand hat), dass Liberale das erhalten, was sie wollen, dass Konservative das erhalten, was sie wollen und so weiter. Wie kann sich jemand bedroht fühlen durch die Aussage, dass er bekommt, was er möchte. Niemand anderer würde solche Dinge sagen.

Sicher, Liberale und andere würden sofort begreifen, dass ihre geplanten Enteignungen nicht durchführbar wären (nach dem Motto: wer kann die Armen ernähren, wenn man die Reichen nicht enteignen kann?). Dazu gibt es zwei wichtige Sachen zu sagen.

1. Auch sie würden Enteignungen entkommen, die ihre Gegner für sie vorgesehen hätten.
2. Und, dass die Panarchie eine defensive Position vertritt und sich die Leute natürlicherweise auf die Seite von Defensiven statt Aggressiven schlagen, natürlich nicht immer, aber es würde sehr viel Propaganda nötig sein, um sie von dieser natürlichen Tendenz abzubringen. 

Die Defensive ist eine weitaus bessere Position, um sich gut zu verteidigen. Es verwandelt jeden, der sich gegen sie richtet in augenscheinliche Aggressoren. Plünderungen und Unterdrückung müssen gerechtfertigt werden und das ist nicht einfach. 

Panarchy ist gut für alle, nicht nur für Anarchisten. Du wirst zum Verteidiger anstatt zum Angreifer und gesellst dich zu den Engeln - in allen Augen, nicht nur in deinen Eigenen.

 


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